GERARD KEVER

"Ohne zu wissen, was das "Selbst" eigentlich ist, möchte bei uns  jeder nur noch Autor dieses "Selbst" sein. Die glaubwürdigsten Formen von Autorenschaft werden durch die Figur des Künstler verwirklicht. Alle spirituellen Definitionen sind historisch gesehen völlig unmöglich geworden. Dabei liegt die höchste Definition eigentlich auf der Hand: Autorität ist das, was aus dem kommt, was "Auto" - (grich,: αὐτό), "das Selbst" - in letzter Instanz ist. Eben diese höchste Form der Autorität aber, meiden wir, wie der Teufel das Weihwasser. Leben in einer popkulturellen Demokratie scheint nur noch aus Verwaltungsakte unvollständiger Autoritätsanwandlungen zu bestehen. Dabei liegt die Quelle des Missbrauchs von Autorität logischerweise in ihrer Unvollständigkeit. Selbst wenn man zu 99% wüsste, wer man ist, es währen allesamt geborgte Identifikationen. Der erwachte Menschen unterscheidet sich von seinem Egoträger wie der Dampf von noch nicht kochenden Wasser: seine Autorität hat sich verwandelt. Sie beruht sprichwörtlich auf nichts. Kann also de facto auch nicht missbräuchlich angewendet werden.“ G.K. 2017